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Mit Herausforderungen motivieren
Mit handwerklichen Herausforderungen motivieren
Jugendliche bauen Floß für Flussseeschwalben
02. November 2010 -
„Wir haben gemeinsam an dem Muster experimentiert und getüftelt. Jetzt ist ein Floßmodul fertig. Es schwimmt und kann sogar 80 Kilogramm tragen“, berichtet Theodor Prenting, Sozialpädagogischer Betreuer der Handwerkskammer für Ostfriesland. Mit „wir“ sind sein Kollege, Heinrich Claashen, Kfz-Meister und Ausbildungsbetreuer, sowie 10 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren der „Kreativwerkstatt Metall, Holz und Farbe“ gemeint. Die jungen Männer nehmen an dem sechsmonatigen Programm „Aktivierungshilfe“ der Arbeitsgemeinschaft für Arbeit und Soziales (ARGE) in Aurich teil. Gemeinsam haben sie in der Handwerkskammer ein Brutfloß im Auftrag des NABU Niedersachsen für Flussseeschwalben entwickelt.
„Künstliche Brutinseln sind die beste Möglichkeit die Flussseeschwalben wieder anzusiedeln“, berichtet Dr. Winfried Daunicht, Ornithologe und Projektverantwortlicher vom NABU. „Die Brutvögel brauchen einen freien Blick auf ihre Umgebung, damit sie sich vor Feinden schützen können. In einer Kolonie haben die Flussseeschwalben größere Chancen sich gegen Angreifer zu wehren. Deshalb wird ein Brutfloß für die Vögel erst ab einer Größe von 25 Quadratmetern interessant.“
Die Herausforderung für das Team: Wie bringt man ein Floß von solchen Ausmaßen ohne maschinelle Hilfsmittel wie Kräne oder Trecker ins Wasser? Die Gruppe entwickelte die „wildesten Ideen“, um eine künstliche Insel zu bauen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Wir haben uns ein neues System ausgedacht“, berichtet Theodor Prenting. Mit tüftlerischem Geschick entwickelten die jungen Männer ein rechteckiges Metallgehäuse mit einer Breite von 60 und einer Länge von 120 Zentimetern. Für den Auftrieb verarbeiteten sie hart gepresste Schaumstoffplatten.
Der Clou: Das Floß ist pflegeleicht. Das feuerverzinkte Metall verrottet nicht wie die Holzvorgänger. Die Idee ist kostengünstig und die Module sind mit zwei Mann und einem Transporter einfach zu handhaben. Vor Ort werden die einzelnen Module verbunden. Zum Schluss wird noch Kies oder Sand auf das Floß gestreut. Fertig ist die „Kinderstube“. „Nun müssen wir noch eine Kalkulation aufstellen und abwarten, ob wir das Muster im Auftrag des NABU Niedersachsen zu einem Floss ausbauen dürfen“, berichtet Prenting.
Die Kreativwerkstatt ist teil des Programms „Aktivierungshilfe für Jugendliche“, die die Arbeitsgemeinschaft Arbeit und Soziales (ARGE) in Aurich in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Durchführung zusätzlicher Ausbildungs- und Arbeitsmaßnahmen (GDA), dem Institut für Erwachsenenbildung (IEB) und der Handwerkskammer ins Leben gerufen hat. An diesem Programm nehmen Jugendliche teil, die aus den verschiedensten Gründen keine Berufsausbildung abgeschlossen haben und arbeitslos sind. Sie erhalten die Möglichkeit, sich in den verschiedenen Berufsfeldern des Handwerks, im Gastronomie- oder im Medienbereich auszuprobieren. „In der Kreativwerkstatt versuchen wir die Teilnehmer mit praktischen, handfesten Aufgaben für die Arbeitswelt zu begeistern und Schlüsselqualifikationen zu vermitteln“, erzählt Prenting. Das Konzept hat Erfolg. Zwei Jungendliche wurden in feste Arbeitsstelle vermittelt, zwei weitere treten ein Praktikum an.
Text: Wiebke Feldmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Handwerkskammer für Ostfriesland, Aurich.
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