Niedersachsen.NABU.de Natur erleben Nationalparks Wattenmeer
Trauer-„Tag der Meere“
Trauer-„Tag der Meere“
Zukunftsaufgaben im Weltnaturerbe Wattenmeer lösen
Nordseestrand
20. Mai 2010 -
Mit Blick auf den ‚Europäischen Tag der Meere’ am 20. Mai hat der NABU auf das unveränderte Artensterben in den Meeren aufmerksam gemacht. Auch im offiziellen UN-Jahr der biologischen Vielfalt ist es nicht gelungen, selbst so stark bedrohte Arten wie den Roten Thun, Herings- oder Dornhai effektiv zu schützen. Die verfehlte Fischereipolitik hat vielmehr dazu geführt, dass inzwischen 88 Prozent der kommerziell genutzten Fischarten in den europäischen Gewässern überfischt sind. Wo wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen, bleibt viel zu oft der Natur- und Artenschutz auf der Strecke. Auch die Mehrheit der Vertragsstaaten bei der diesjährigen Konferenz zum Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen war nicht bereit, der Ausbeutung der Meere einen Riegel vorzuschieben.
Insbesondere die Mitte des Jahres 2009 erfolgte Auszeichnung mit dem Welterbe-Titel für das Wattenmeer sei wichtig für den Stellenwert des Naturschutzes und stärke seine Gewichtung gegenüber industriellen, touristischen oder sonstigen Vorhaben. Die Ziele des Naturschutzes haben gerade im Wattenmeer Vorrang, betonte Dr. Holger Buschmann, NABU-Landesvorsitzender Niedersachsen, heute in Hannover.
Leyhörn im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer
Nach Auffassung des NABU Niedersachsen gilt es gerade, in den Schutzbemühungen nicht nachzulassen und die Zukunftsaufgaben zu lösen.
Dr. Holger Buschmann, NABU-Landesvorsitzender Niedersachsen, erklärte: „Wo sonst, wenn nicht im Weltnaturerbe Wattenmeer mit seinen Salzwiesen und Muschelbänken als weltweit einmalige Lebensräume für viele bedrohte Tiere und Pflanzen sowie als Drehscheibe für Millionen Zugvögel wie Ringelgänse, Eiderenten und Alpenstrandläufer, lohnt sich der Einsatz.“
Das Wattenmeer ist als Naturraum weltweit herausragend und es gibt hinsichtlich des Zustandes und der geschützten Gebiete noch wichtige Zukunftsaufgaben, so der NABU. Die wichtigen Hochwasserplätze der Zugvögel hinter dem Deich sind zu schützen, indem sich Genehmigungen zum Kitesurfen vorrangig und grundsätzlich am Schutzzweck orientieren. Nachdem die Meeresschutzgebiete des Natura 2000 Netzwerkes entsprechend der Raumordnungspläne für die AWZ von der Windkraftnutzung ausgenommen wurden, sollten besonders sensible Gebiete für See- und Zugvögel sowie Meeressäuger und Fische, die durch die Windenergienutzung gefährdet sind, tabu sein. Die Netzanbindung der Windparks ist besser zu koordinieren und es sind Schallschutzkonzepte bei der Errichtung von Anlagen zum Schutz von Meeressäugern verbindlich vorzuschreiben. Mit dem Aufbau eines professionellen Rangersystems zur Publikumsinformation und -lenkung, wie dies auch in anderen Weltnaturerbegebieten Standard ist, gelte es den Massentourismus naturverträglich zu gestalten, betonte Dr. Buschmann, NABU-Landesvorsitzender Niedersachsen.
Stark bedroht: der Kabeljau
Die Meere sind Orte intensiver industrieller Nutzung. Sie machen 99 Prozent der belebten Biosphäre aus und beherbergen Hunderttausende faszinierende Arten. Doch nur ein Bruchteil davon ist unter Schutz gestellt. Und selbst wenn einzelne Arten am Rande der Ausrottung stehen, schaffen es politische und wirtschaftliche Lobbyisten immer wieder, effektive Schutzmaßnahmen zu blockieren. Dabei sind gesunde Meere die Basis unserer maritimen Wirtschaft. 22 der 27 EU-Mitgliedsstaaten sind Küstenländer, mehr als 400.000 Menschen arbeiten allein in der Fischerei und fischverarbeitenden Industrie Europas. „Es ist höchste Zeit zu handeln. Wenn wir es nicht bald schaffen, einen wirklichen Ausgleich von Schutz- und Nutzerinteressen herbeizuführen, wird der gesamte Fischereisektor zusammenbrechen“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Damit die Bestände sich erholen könnten, sei ein radikales Umdenken erforderlich. Fangbeschränkungen, z. B. für stark bedrohte Bestände des Kabeljaus, für Thun- und Schwertfisch sowie eine Anpassung der Fangkapazitäten seien unumgänglich, um eine nachhaltige Fischereiwirtschaft auch für spätere Generationen zu sichern.
Jedes Jahr am 20. Mai begeht Europa feierlich den „Tag der Meere“. Die Rolle der Ozeane soll dabei hervorgehoben und das Bewusstsein für die Umweltprobleme in den Meeren gestärkt werden. Im spanischen Gijon findet dazu eine Konferenz mit Beteiligung zahlreicher Interessengruppen statt.
Die zentrale deutsche Veranstaltung findet im niedersächsischen Cuxhaven statt. „Bleibt zu hoffen, dass der notwendige Dialog Erfolge für den Natur- und Artenschutz im Meer bringt, ehe es für viele Arten und Lebensräume endgültig zu spät ist“, unterstrichen NABU-Präsident Olaf Tschimpke und NABU-Landesvorsitzender Niedersachsen Dr. Holger Buschmann.
Wattenmeer-Naturausstattung entscheidend
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