Niedersachsen.NABU.de Themen Lebendige Flüsse Hochwasserschutz NABU fordert Ausgleich für Hochwasserschutz
Ausgleich für Hochwasserschutz gefordert
NABU fordert Ausgleich für Hochwasserschutz
Landeskonzept muss den Flüssen zur Rückhaltung mehr Raum geben!
13. Januar 2011 -
Der NABU Niedersachsen fordert anlässlich der nächsten Hochwasserwelle endlich Ausgleichungen und Rückhalteräume in den Flussauen für einen nachhaltigen Hochwasserschutz. Meldungen des Hochwasserwarndienstes sagen zum kommenden Wochenende erneute Hochwässer insbesondere an den vom Harz entwässernden Flüssen voraus.
„Ein günstiger Zeitpunkt“, so NABU-Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann, „um auf die Unzulänglichkeiten und geringe Nachhaltigkeit der niedersächsischen Hochwasserschutzmaßnahmen hinzuweisen.“ Während in Ländern wie Brandenburg große Rückdeichungen durchgeführt werden, um den Wassermassen nach starken Regenfällen und Schneeschmelzen mehr Raum zu geben, setzt Niedersachsen nach wie vor fast ausschließlich auf den technischen Hochwasserschutz mit Erhöhung der Deiche. Stolz werden die Maßnahmen für 41,7 Millionen Euro im Jahr 2010 regelmäßig präsentiert, die das Land jährlich in den Deichbau investiert. Für den Hochwasserschutz im Binnenland wurden 18,3 Millionen Euro, für den an der Elbe 23,4 Millionen Euro ausgegeben.
Rückdeichungen könnten allerdings eine geringere Höhe und Länge der Deiche bedeuten und damit langfristig geringere Kosten verursachen. Gleichzeitig würde es wichtige Synergien mit dem Naturschutz ergeben. „Gerade natürliche, dynamische Auen, die besonders artenreich sind, gibt es durch Flussbegradigungen kaum mehr. Arten, die darauf als Eiablageplätze oder Jahreslebensraum angewiesen sind, wie zum Beispiel viele Fischarten und Rotbauchunken, befinden sich daher am Rande des Aussterbens“, erklärte Dr. Holger Buschmann.
Der NABU Niedersachsen erwartet vom Land Niedersachsen mehr Mut zur Umsetzung von Rückdeichmaßnahmen an allen Flüssen. Zwar werden am Wochenende vor allem an der Weser und ihren Zuflüssen Hochwässer erwartet, aber auch an anderen Flüssen werden die nächsten Hochwasserwellen kommen. Der NABU appelliert daher an die Landesregierung endlich ein Gesamtkonzept zur Ausweisung von Retentionsräumen landesweit zu entwickeln.
Im Amt Neuhaus in der Kernzone des Biosphärenreservats Elbtalaue, gleichzeitig europäisches NATURA 2000 Schutzgebiet, sind die Bedingungen besonders günstig. Die meisten Flächen sind bereits im Besitz des Landes oder privater Naturschutzorganisationen, so dass hier umfangreiche Maßnahmen zur Wasserrückhaltung umgesetzt werden können. Tatsächlich wurde vom zuständigen Deichverband gerade mal 19 Hektar angeboten. Dafür sollen allerdings neue Deiche gebaut und andere erhöht werden, so dass in der Summe bei Extremhochwässern weniger Überschwemmungsfläche und damit stärkere Überflutungen weiter flussabwärts zu erwarten sind.
„Eigentlich ein Skandal, sollen hier doch Millionen von Steuergeldern investiert werden“, so NABU-Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann. Aufgrund der Einwände vom NABU Niedersachsen und anderer Naturschutzorganisationen und des Vorschlages wesentlich kostengünstigerer Deichvarianten mit großräumigen Rückdeichungen werde es allerdings einen Runden Tisch geben, so dass der NABU Niedersachsen nach wie vor auf einen Sieg der Vernunft, für Gesellschaft und gegen Einzelinteressen, hofft.
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