Niedersachsen.NABU.de Tiere & Pflanzen Eisvogelschutz in Niedersachsen Aktuelle Meldungen Niststation im Wasservogelreservat Schöppenstedt
Wasservogelreservat Schöppenstedt
Wasservogelreservat Schöppenstedt
Eisvogelnist- und Brutwand fertig gestellt
Alle ehrenamtlichen Mitarbeiter des NABU Schöppenstedt an der fertigen Eisvogelbrut-Niststätte im „Wasservogelreservat Schöppenstedter Teiche“
16. Februar 2012 -
Der Eisvogel zeigt sich in seiner Farbenpracht in überwältigender Schönheit. Er ist der Paradiesvogel der heimischen Vogelwelt und wurde 2009 zum „Vogel des Jahres“ gekürt. Nirgendwo ist er häufig. Insgesamt hat der Bestand des Eisvogels vor allem durch Entwässerungsmaßnahmen, Begradigungen und Betonierung von Bächen und Flüssen stark abgenommen; so dass er in die Rote Liste der im Bestand gefährdeten Vogelarten aufgenommen werden musste. Der Eisvogel benötigt Steilwände aus Erdreich, um sich seine Nisthöhle graben zu können.
Fast fertige Eisvogelniststätte im „Wasservogelreservat Schöppenstedter Teiche“
Im Rahmen des Eisvogelprojekts sollen niedersachsenweit 100 Niststationen aufgestellt werden. Günstig ist die Aufstellung von je zwei Stationen pro Standort, damit die Vögel eine Auswahl haben und Schachtel-Bruten, also mehrere Brüten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, durchführen können. Die Aufstellung erfolgt ausschließlich in eisvogelsicheren Gebieten. Die Aktiven vor Ort sprechen die genauen Standorte mit den Grundstückseigentümern, den Unterhaltungs¬verbänden und den Naturschutzbehörden ab. Gruppen oder Einzelpersonen, die sich beteiligen möchten, erhalten eine finanzielle Förderung von 400 Euro pro Niststation für Material- und Transportkosten. Außerdem können kostenlose Informationsmaterialien (Eisvogelbroschüre, Faltblätter) für Veranstaltungen abgerufen werden. Jährlich findet eine Eisvogeltagung statt, um neue Informationen auszutauschen.
Unsere Bäche und Flüsse stellen im großen Umfang durch Kanalisation und Zubauung sowie Verschmutzung für den Eisvogel keinen Lebensraum mehr dar. Durch den schnellen, geradlinigen Wasserabfluss ist eine biologische Selbstreinigungskraft nicht mehr möglich. Aufgrund von Nahrungsmangel sind diese Biotope für den Eisvogel „unbewohnbar“ geworden. Renaturierungsmaßnahmen an Bächen und Flüssen oder Tümpeln und Teichen, Artenhilfsmaßnahmen an Gewässern oder andere Maßnahmen, die auch dem Eisvogel zu Gute kommen sind eine wichtige Artenschutzmaßnahme, wovon der Eisvogel direkt profitiert.
Fertige Eisvogelbrutwand
Um so erfreulicher ist es, dass zwei nahrungssuchende Eisvögel schon mehrere Jahre , besonders in den Wintermonaten, an der Altenau im Stadtgebiet von Schöppenstedt - im Bereich der ehemaligen sogenannten „Pferdespühle“ an der Stobenstraße - beobachtet werden konnten. Da der Eisvogel auf Lebendnahrung - kleine Fische - angewiesen ist und im Stadtbereich der Bachlauf der Altenau fast eisfrei bleibt, fanden die Eisvögel kleine Fische, vorwiegend Stichlinge, als Nahrung vor. Mit solch einem Fisch im Schnabel landet der Eisvogel vor mir auf einem Ast. Geschickt schlägt er den noch zappelnden Fisch dagegen und wendet ihn im Schnabel, so dass er ihn mit dem Kopf Schlundwerts ausgerichtet schlucken kann. Kleine, vier bis fünf Zentimeter lange Süßwasserfische wie junge Bachforellen, Gründlinge, Elritzen, Plötzen, Rotfedern und Stichlinge, seltener auch Insekten, kleine Frösche und Kaulquappen sind seine Hauptnahrung. Für eine artenreiche Fischfauna braucht es unter der Wasseroberfläche eine gute Wasserqualität und strukturreiche Habitate für die Fischlarven.
Die Eisvogelbrutwand wurde nun kürzlich im Wasservogelreservat Schöppenstedter Teiche fertig gestellt, wobei zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter der so genannten NABU-„Rentnerband“ dabei waren. Eine schwere Arbeit und der Dank des NABU Schöppenstedt geht an alle Mitwirkenden. Nun hoffen wir, dass der Eisvogel auch in den nächsten Wochen seine neue Brutstätte anschaut und hier seine Jungen aufziehen wird!
Text: Rolf Jürgens
Weitere Infos:
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