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NABU-Aktivitäten zu ‚Neobiota vor Ort’
NABU-Aktivitäten zu ‚Neobiota vor Ort’
Fragebögen ausgewertet
Beim Kampf gegen die Amerikanische Traubenkirsche scheint Beweidung mittelfristig Erfolg zu bringen.
27. Januar 2010 -
Zahlreiche NABU-Gruppen engagieren sich mit praktischen Einsätzen oder in Projekten, die im Zusammenhang mit ‚Neobiota vor Ort’ stehen. In allen niedersächsischen Landschaftsräumen werden/wurden die Problemarten erkannt und sich den eingewanderten Arten angenommen. Was im Kampf gegen die ‚grünen Gegner’ an ehrenamtlicher Arbeit geleistet wird kann nicht hoch genug bewertet werden und verdient allen Respekt. Zusammenfassend ist festzustellen, Neophyteneinsätze sind in der Regel eine sehr langwierige und aufreibende Sache.
Ein Beispiel gibt Herr Lange (NABU Osterorde), der im Landkreis Osterode mit zahlreichen ehrenamtlich Aktiven Gegenwehr geleistet hat: Von 2003 bis 2007 wurden in der Sieberaue (Harz) 2.649 Arbeitsstunden geleistet und bei den ehrenamtlichen Einsätze wurden 1.346 Kilometer gefahren. Resümee: Rückgang der Herkuleskeule um geschätzte 95 Prozent nach fünf Jahren harter Arbeit.
Die Meldungen der Gruppen wurden nach folgenden Gesichtspunkten ausgewertet: Welche Arten standen im Mittelpunkt / bedurften am vordringlichsten einer Gegenwehr, zu welchen Maßnahmen wurde gegriffen und mit welchem Erfolg. Hier lässt sich eine klare Rangliste erkennen mit Herkulesstaude an der Spitze, gefolgt von Amerikanischer Traubenkirsche, Staudenknöterich, Indisches Springkraut bis hin zu Ambrosie.
Herkulesstaude oder Riesenbärenklau
Heracleum mantegazzianum
Die Bekämpfung ist mühselig und beschränkt sich in erster Linie auf ‚ausgraben, ausgraben, ausgraben’. Aber auch Mähen, Abstechen, Fräsen und Abdecken mit Folie (vier Wochen) wurden ins Feld geführt. Selbstverständlich ist darauf zu achten, dass sich die Pflanze nicht mehr aussamt.
Insgesamt eine sehr langwierige und aufreibende Sache, die sich über einige Jahre hinziehen kann, bevor sich Erfolge abzeichnen. Einige vermelden bestenfalls eine Stagnation bei beständigem Einsatz, andere sind froh jährlich die Samenreife zu verhindern. Bleibt festzuhalten, dass ein sich Erfolg, wenn überhaupt, erst nach Jahren einstellt.
Amerikanische (oder Spätblühende) Traubenkirsche
Prunus serotina
Ähnlich mühselig ist der Einsatz gegen die Ammerikanische Traubenkirsche: Ausreißen, ausgraben, absägen, abringeln, entkuseln ….. Interessant ist die Maßnahme der Beweidung, die schon mittelfristig Erfolg zu bringen scheint, wie z.B. Herr Marien vom NABU Altkreis Meppen berichtete. Er konnte einen Landwirt gewinnen, der die Beweidung mit Schottischen Hochlandrindern vornahm. Es ist anzunehmen, dass mit Schafen derselbe Effekt erzielt werden kann.
Staudenknöterich
Reynoutria bzw. Fallopia spec.
Wir haben nicht zwischen den beiden Knötericharten unterschieden, weil sowohl die Problemstellung als auch die Maßnahmen identisch sind. Meines Wissens dominiert der Japanische Knöterich in sehr ungleichem Verhältnis.Der Staudenknöterich bildet über weite Strecken dichte Bestände aus, die alles beschatten. Die Teilnehmer der Befragung gaben als Gegenmittel mähen und entfernen oberirdischer Triebe an. Um langfristig etwas gegen den Einwanderer zu tun, müssen auch die Rhizome ausgegraben und gesondert entsorgt werden. Es sei denn, man kann hier mit Abdecken durch Folie oder Beweidung vorgehen.
Drüsiges oder Indisches Springkraut
mpatiens glandulifera
Erstaunlicherweise gab es zu diesem Neophyt nur zwei Meldungen, obwohl diese Pflanze auch ein enormes Ausbreitungs- und Verdrängungspotential hat. Mit einjährigen Pflanzen scheint es eben einfacher zu sein, eine Mahd zur rechten Zeit kann ausreichen. Möglicherweise wird das Problem dadurch unterschätzt, denn das Indische Springkraut hat durch die Schleuderwirkung der Fruchtstände (bis zu acht Metern) die Möglichkeit, schnell wieder von benachbarten Flächen einzuwandern.
Ambrosie oder Beifußblättriges Traubenkraut
Ambrosia artemisiifolia
Das Problem mit der Ambrosie lässt sich im Moment wohl noch schwer einschätzen. Da sie noch recht neu ‚auf dem Markt’ ist, ist es nicht abzusehen welche Entwickelung das Problem nimmt. Die Wellen schlagen hoch, obwohl kaum einer sie zu Gesicht bekommen hat, bzw. sie erkennen würde. Möglicherweise verschwindet sie so plötzlich wieder, wie sie aufgetaucht ist, sei es dass Ambrosia als Bestandteil aus dem Vogelfutter genommen wird, oder rechtzeitig die entscheidenden Maßnahmen ergriffen werden. Eine echte Gegenwehr funktioniert natürlich am besten, wenn von dem Neophyt auch eine gesundheitliche Gefahr für den Menschen aus geht.
Entkusselung
Wir hatten auch eine Meldung zum Jakobskreuzkraut, die wir aber nicht bewerten wollen, weil diese Art zwar gelegentlich Probleme verursachen kann, aber als einheimische Pflanze zu betrachten ist.
Da bei den mehrjährigen Arten, also Herkuleskeule, Amerikanische Traubenkirsche und Staudenknöterich Abschneiden und Ausgraben alleine nicht ausreicht, sondern auch immer nachgesorgt werden muss, sind weitere Maßnahmen wie Abdecken mit fester, schwarzer Folie oder Beweidung mit Rindern oder Schafen angeraten, um einen Erfolg möglich zu machen. Natürlich lässt sich das nicht überall bewerkstelligen, weil alleine die Topographie so unterschiedlich ist wie das Land Niedersachsen, die Grundstücksrechte unübersichtlich gestreut sind, oder Weidetiere nicht beizubringen sind. Dennoch lohnt es sich diese Richtung weiter zu denken, denn es kann viel Arbeit ersparen.
Wie viele Beispiele zeigen, ist es möglich sich auch von amtlicher Seite Hilfe zu holen, da eine Bekämpfung nicht alleine Sache des NABU bzw. des Naturschutzes sein kann, sondern auch im Interesse der Städte und Gemeinden sein muss. Aus Ihren Reihen wurden als Kooperationspartner benannt: Die Untere Naturschutzbehörde, der NLWKN, Forstverwaltung, Fischereiverein, Grundstückseigentümer, Landkreis oder andere Naturschutzverbände. Aber auch eine Schulklasse, eine Kirchengemeinde und die Jägerschaft konnten für einen gemeinsamen Einsatz gewonnen werden.
Fragebogen
Probleme und Aktivitäten mit Neobiota vor Ort
Wildbiene an Raps
Viele NABU-Gruppen und Aktive plagen sich vor Ort bei der Biotoppflege mit mehr oder weniger lästigen Neophyten - aber auch Neozoen - herum. Um hier einen Überblick über die Probleme und Aktivitäten zu bekommen, möchte der NABU Niedersachsen diese Aktivitäten gern sammeln und dokumentieren. Einige NABU-Gruppen haben sich hierzu schon gemeldet. Wenn auch Sie in Ihren Gebieten mit Neophyten oder Neozoen zu tun haben, so schicken Sie uns doch den Fragebogen ausgefüllt zurück.
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