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Nährstoffbericht 2020/2021

Landwirtschaftsministerium und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen haben den Nährstoffbericht 2020/2021 vorgestellt. Der NABU Niedersachsen sieht trotz positivem Trend noch Handlungsbedarf.

Gülleausbringung - Foto: Uwe Baumert

Gülleausbringung - Foto: Uwe Baumert

16. März 2022- Die Verbände sprechen von einem deutlich rückläufigen Nährstoffaufkommen insbesondere aus der Tierhaltung. Laut Bericht erreiche Niedersachsen auf Landesebene erstmals eine Stickstoffdüngebilanz unterhalb der gesetzlichen Grenze, die bei 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr liegt.

„Diese Entwicklung ist ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung", kommentiert Dr. Holger Buschmann, NABU-Landesvorsitzender. „Nichtsdestotrotz ist dieser Rückgang immer noch nicht stark genug. Mit Cloppenburg und der Grafschaft Bentheim überschreiten noch immer zwei Landkreise die gesetzliche Stickstoff-Obergrenze, insbesondere aufgrund des Eintrages von umwelt- und gesundheitsschädlichem Ammoniak-Stickstoff aus der Tierhaltung in die Luft.“ Auch das Grundwasser sei auf großen Teilen der Landesflächen mit Nitrat über den Grenzwerten belastet und gefährde damit die Trinkwasserversorgung. Noch immer ist ein Großteil der Fließgewässer in Niedersachsen in einem schlechten Zustand.

Wie wichtig eine Reduzierung der Nährstoffeinträge in Böden und Gewässer ist, bestätigt auch die kürzlich neu veröffentlichte Rote Liste wirbelloser Tiere des Bundesamtes für Naturschutz (BfN): In Deutschland sind 26,2 Prozent der etwa 6.750 neu bewerteten Insektenarten gefährdet – darunter vor allem gewässergebundene Arten. Damit diese wassergebundenen Insektenarten und ihre Lebensräume erhalten werden können, müssen die Einträge weiter stark verringert werden – ein wichtiger Schritt dahin ist das Erreichen der Ziele von EG-Wasserrahmenrichtlinie sowie EG-Nitratrichtlinie, von denen das Land Niedersachsen insgesamt noch ein gutes Stück entfernt ist.

„Wenn man zusätzlich beachtet, dass beispielsweise artenreiches Grünland maximal 60 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr verträgt, bevor es verarmt, ist selbst der gesetzliche Grenzwert deutlich zu hoch angesetzt und müsste erheblich verringert werden“, so Buschmann.


Gülleflut in Niedersachsen stoppen!

Verbände fordern Masterplan für sauberes Grundwasser, Flüsse und die Nordsee

Gülleausbringung mit modernem Schlauchsystem - Foto: Gouwenaar

Gülleausbringung mit modernem Schlauchsystem - Foto: Gouwenaar

28. März 2018 - Landwirtschaftsministeriums fordern BUND, NABU und Greenpeace ein effektives Maßnahmenpaket zur Reduzierung der Nährstoffüberschüsse und einen Masterplan zur Beendigung der Gülleflut in der Weser-Ems Region. Nach wie vor sind nur zwei Prozent aller Fließgewässer in Niedersachsen in einem guten Zustand. 98 Prozent erfüllen diesen europäischen Qualitätsstandard nicht. Die Landwirtschaft ist für die Nährstoffüberschüsse der Hauptverursacher. Die Nährstoffbelastung landet zum Teil in der Nordsee und schädigt die Küstengewässer und die empfindlichen Ökosysteme des Wattenmeeres. Zugleich ist auf 60 Prozent der Landesflächen das Grundwasser mit Nitrat über den Grenzwerten belastet und gefährdet die Trinkwasserversorgung. Zudem werden in Niedersachsen jährlich 160.000 Tonnen umwelt- und gesundheitsschädlicher Ammoniak-Stickstoff aus der Tierhaltung in die Luft ausgestoßen.

Der aktuelle Bericht des Landes zeichnet eine drastische Situation

Insbesondere das Weser-Ems Gebiet ist betroffen. Dort produzieren die viel zu hohen Tierbestände plus Biogasanlagen riesige Nährstoffüberschüsse, die weder vor Ort noch in der gesamten Region sinnvoll eingesetzt werden können. Laut Nährstoffbericht 2016/2017 besteht nach wie vor ein Nährstoffüberschuss von ca. 70.000 Tonnen Stickstoff in Niedersachsen. Im Berichtszeitraum von Mitte 2016 bis Mitte 2017 mussten über drei Millionen Tonnen Gärreste, Gülle und Hühnertrockenkot allein aus der Region Weser-Ems weg transportiert werden, weil Fläche für die halbwegs umweltverträgliche Ausbringung fehlt. Das entspricht mehr als 115.000 LKW Ladungen.

Legt man die Vorgaben der neuen Düngeverordnung zu Grunde, werden in sieben Landkreisen die maximalen Phosphatvorgaben der Düngeverordnung überschritten. Allein dadurch ergibt sich ein externer Flächenbedarf von mindestens 114.000 Hektar. Da die Böden in der Weser-Ems Region zum Großteil bereits überversorgt sind, dürfte der zusätzliche Bedarf an externer Fläche zur Ausbringung der Nährstoffe noch weitaus höher liegen. Die Transporte werden mit der Umsetzung der neuen Düngeverordnung noch um ca. 50 Prozent auf 165.000 LKWs steigen, wenn keine grundlegende Änderung vorgenommen wird.

Gülle-Aufbereitungsanlage für eine Million Mastschweine geplant

„Der Umfang der Tierhaltung muss wieder an die vor Ort zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Fläche angepasst werden“, fordern die Verbände. „Weder Güllebörsen, noch LKW und Schiffstransporte und erst Recht keine riesigen auf eine Million Mastschweine ausgelegten Gülle-Vollaufbereitungsanlagen, wie sie jetzt im Landkreis Cloppenburg geplant werden, sind eine sinnvolle Lösung. Solche großtechnischen Maßnahmen kosten viel Geld, belasten die Umwelt, benötigen riesige Mengen an Energie, vergrößern das Verkehrsaufkommen und machen die Landwirte ein weiteres Mal von industriellen Strukturen abhängig. Sie verschlechtern zudem das Image der Landwirtschaft und zementieren die Intensivtierhaltung für kommende Jahrzehnte.“

NABU fordert mehr Platz für weniger Tiere

Die Verbände fordern die Landesregierung stattdessen auf, den Tierschutzplan, der in den beiden vergangenen Legislaturperioden in Niedersachsen entwickelt wurde, umzusetzen und die Ställe tiergerechter zu machen, Tierbestände gezielt abzustocken und den Tieren mehr Platz zur Verfügung zu stellen.

„Um den Nährstoffüberschuss einzudämmen, müssen die zuständigen Landesbehörden wissen, in welchen Betrieben zu viel Gülle und andere Wirtschaftsdünger anfallen. Mit der Novelle des Düngerechts hat Niedersachsen jetzt die Chance, eine risikoorientierte düngerechtliche Kontrolle aufzubauen und sich die Daten der Landwirte regelmäßig melden zu lassen. Das entlastet auch landwirtschaftliche Betriebe, bei denen Tierhaltung und Flächenausstattung ausgewogen ist. Effektivere gezieltere Kontrollen werden helfen Gewässer, Artenvielfalt und Klima besser vor den schädlichen Einträgen aus der Landwirtschaft zu schützen“, so die Sprecher der Verbände.


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