Erste Nachzucht von Kreuzkröten gelungen
Erstmals ist es gelungen, die in Niedersachsen stark gefährdete Kreuzkröte in einem speziellen Freilandterrarium erfolgreich zur Fortpflanzung zu bringen. Mehr →
Gruppenbild LIFE Bovar - Foto: Lamin Neffati
12. September 2025 - Neben den Projektmitarbeitenden berichteten auch internationale Referent*innen über verschiedene Managementverfahren und neue Erkenntnisse zu den Zielarten. Für insgesamt 35 Projektgebiete in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und der niederländischen Provinz Limburg konnten seit 2018 umfangreiche Renaturierungs- und Erhaltungsmaßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumbedingungen stark gefährdeter Amphibien erfolgreich umgesetzt werden: So wurden Oberböden abgeschoben, aufgewachsene Gehölze entfernt und Steinschüttungen oder Anhäufungen von Totholz angelegt, um sonnenexponierte Rohbodenflächen mit hoher Strukturvielfalt und Versteckmöglichkeiten zu schaffen.
Eine Projektbilanz, die sich sehen lassen kann!
Vegetationsarmes Offenland ist besonders wichtig für den Verbleib der Zielarten. Durch die Kooperation mit regionalen Landwirten und Weidetierhalter*innen war es möglich, dieses Ziel durch extensive Beweidung der Lebensräume auf insgesamt 119 ha umzusetzen. Darüber hinaus wurden über 10.000 Kleinstgewässer und 600 Kleingewässer als Laichhabitate neu angelegt oder saniert. Mit technogenen Gewässern entstanden „Backups“ als Anpassung an den Klimawandel, in denen sich die Zielarten auch in langanhaltenden Trockenperioden noch erfolgreich reproduzierten. Nach Abschluss vorbereitender Maßnahmen wurden Bestandsstützungen und die Wiederbegründung ausgestorbener Populationen in insgesamt 23 Projekt(teil)gebieten durchgeführt. Dabei wurden über 23.000 Gelbbauchunken, 3.500 Kreuzkröten und 2.000 Geburtshelferkröten ausgebracht. Die Tiere stammen jeweils aus einer Erhaltungszucht aus genetisch geeigneten, regionalen Spenderpopulationen.
Die Projektmitwirkenden zeigten sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen und Erfolgen des Projektes. „Ein besonderer Aspekt des großen Projekterfolgs ist neben den EU-LIFE-Fördermitteln auch die langfristige Laufzeit von acht Jahren“, betonte Prof. Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen. „Denn nur so wird eine Umsetzung von mehrjährigen Renaturierungsmaßnahmen und ein Beitrag zum ursprünglichen Verbreitungsgebiet durch Wiederansiedlungen überhaupt erst ermöglicht.“ Der NABU-Landesvorsitzende unterstrich die Bedeutung derartiger Projekte für den Artenschutz: „Durch die umfangreichen Habitatmaßnahmen für die Zielarten und die daraus resultierenden Synergie-Effekte für weitere seltene Arten strukturreicher Offenlandschaften, hat das Projekt einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt geleistet.“
Projektleiterin Dr. Mirjam Nadjafzadeh hob insbesondere die engagierte Zusammenarbeit des Projektteams mit allen beteiligten Akteuren hervor: „Diese übergreifende Zusammenarbeit ist ein Schlüssel für das Erreichte. Indem wir unsere Kräfte bündelten, konnten wir wichtige Erkenntnisse über das effektive Management gewinnen und deutlich verbesserte Lebensbedingungen und erhebliche Zunahmen in den Populationsgrößen der Zielarten erreichen.“
Artenschutzmaßnahmen sollen auch nach Projektende fortgeführt werden
Gleichzeitig wies die Biologin darauf hin, dass die Artenschutzarbeit in den Projektgebieten weitergehen muss. „Die nun geschaffene günstige Situation kann nur erhalten werden, wenn ein langfristig angelegtes 'After-LIFE-Management' erfolgt. Regelmäßige Artenschutzmaßnahmen sind notwendig, damit die Gebiete auch in Zukunft die Prozesse von dynamischen Lebensräumen in den Sekundarhabitaten widerspiegeln können“, so Nadjafzadeh.
Zum Abschluss der Tagung führte am darauffolgenden Tag eine Exkursion zu verschiedenen Projektgebietsflächen auf dem Bückeberg. Der Bückeberg bildet mit Steinbrüchen und wertvollen Trittsteinbiotopen in Waldbereichen Lebensraum für die bedeutendste Metapopulation der vom Aussterben bedrohten Gelbbauchunke an ihrem nördlichsten Verbreitungsschwerpunkt in Niedersachsen. In Zusammenarbeit mit den Kreis- und Klosterforsten wurden hier regelmäßig Artenschutzmaßnahmen durchgeführt, welche auch nach Ablauf des Projektes fortgesetzt werden.
Anschließend besuchten die Tagungsteilnehmenden das Naturschutzgebiet Holzhauser Mark bei Porta Westfalica. Die ehemalige Sand-Kiesgrube bildet einen wichtigen Rückzugsort für viele Arten, wie beispielsweise Kreuzkröte und Zauneidechse. Die Gelbbauchunke wurde 2017 in dem Gebiet wiederangesiedelt und konnte über die Jahre eine stabile Population entwickeln. Eine extensive Beweidung mit Pferden sorgt hier – neben regelmäßigen Pflegemaßnahmen – seit 2021 für den Erhalt der Schutzwürdigkeit dieses Gebiets.
Erstmals ist es gelungen, die in Niedersachsen stark gefährdete Kreuzkröte in einem speziellen Freilandterrarium erfolgreich zur Fortpflanzung zu bringen. Mehr →
Das EU-LIFE Projekt „BOVAR“ ist ein Artenschutzprojekt für Amphibienarten dynamischer Lebensräume. Mehr →
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Amphibien und insbesondere Arten dynamischer Lebensräume haben in den letzten Jahrzehnten dramatische Bestandsrückgänge erfahren. Aus diesem Grund wurde 2018 das länderübergreifende EU-LIFE-Projekt „BOVAR“ mit achtjähriger Laufzeit gestartet, in dem sich der NABU Niedersachsen zusammen mit sieben Projektpartnern und zahlreichen Kooperationspartnern dem Management folgender Amphibienarten widmet, stellvertretend für eine Vielzahl weiterer Arten dynamischer Lebensräume: Gelbbauchunke (Bombina variegata), Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), Kreuzkröte (Epidalea calamita) und Kammmolch (Triturus cristatus). Die übergeordneten Ziele sind die Wiederherstellung günstiger Lebensraumbedingungen, die Stärkung des Biotopverbundes und gezielte Wiederansiedlungen, um isolierte Populationen zu vernetzen und ursprüngliche Verbreitungsgebiete wiederherzustellen.
Projektträger und Projektpartner
Projektträger ist der NABU Niedersachsen und Projektpartner sind das Schulbiologiezentrum Hildesheim, die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz Soest, die NABU-Naturschutzstation Aachen, Staatsbosbeheer, Stichting het Limburgs Landschap und die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. EU-Kommission, Projektpartner, Projektförderer und Unterstützer haben das Projekt mit einem Gesamtvolumen von gut 4,6 Mio. Euro ermöglicht.
Projektförderung
Das LIFE-Projekt „Management der Gelbbauchunke und anderer Amphibienarten dynamischer Lebensräume“ – kurz: „LIFE BOVAR“ – ist ein Förderprojekt der Europäischen Union (EU) und wird hier mit Mitteln aus dem EU-Umweltprogramm – Schwerpunkt Natur und Biodiversität – gefördert. Ferner unterstützen das Land Niedersachsen mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU), das Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV), die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, die Niedersächsischen Landesforsten, der Kreis Minden-Lübbecke, die Landkreise Goslar, Hameln-Pyrmont, Hildesheim, Holzminden, Schaumburg, die Region Hannover, die Städte Hannover und Hildesheim, der NABU Landesverband Nordrhein-Westfalen, der NABU Kreisverband Minden-Lübbecke und die Firma Saint-Gobain Formula GmbH das Projekt.