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Grünland neu denken

Extensive Beweidung braucht politische Rückendeckung

Der NABU Niedersachsen plädiert für ein Umdenken in der Förderpolitik – weg von pauschalen Prämien, hin zu gezielten Anreizen für naturschutzgerechtes Weidemanagement.

Beweidung mit Heckrindern. - Foto: Nicole Flöper

Beweidung mit Heckrindern. - Foto: Nicole Flöper

Ob Magerrasen, Moorwiesen oder Auen – extensive Beweidung sichert wertvolle Lebensräume, erhält Artenvielfalt und schützt das Klima. Doch um dieses bewährte Naturschutzinstrument zukunftsfest zu machen, braucht es mehr als Engagement vor Ort: Gefordert ist eine klare politische Unterstützung.

Der "Niedersächsische Weg" schafft wichtige Rahmenbedingungen

Extensive Beweidung ist ein bewährtes Instrument für den Naturschutz. Damit sie ihr volles Potenzial entfalten kann, braucht es eine gezielte politische Unterstützung. Programme wie die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) und insbesondere auch der „Niedersächsische Weg“ haben wichtige Rahmenbedingungen geschaffen, um Biodiversität und nachhaltige Landwirtschaft besser zu verzahnen. Allerdings gibt es die versprochene Förderung von Ganzjahresbeweidungsformen mit Rindern und Pferden bislang immer noch nicht — ein Defizit, das dringend behoben werden muss, um extensive Weidesysteme landesweit erhalten und ausbauen zu können. Bestehende Förderstrukturen sollten daher weiter gestärkt und passgenau auf naturschutzwirksame Beweidung ausgerichtet werden.

Der NABU stellt daher klare Forderungen: Statt pauschaler Flächenprämien müssen gezielte Zahlungen für Gemeinwohlleistungen etabliert werden – etwa für die Offenhaltung artenreicher Lebensräume durch standortangepasste Beweidung. Extensives Weidemanagement, wie es auf Magerrasen, Moorwiesen oder in Auen praktiziert wird, trägt nicht nur zur Biodiversität bei, sondern ist auch ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz. Denn Grünland speichert mehr Kohlenstoff als Ackerland – vorausgesetzt, es wird nicht entwässert oder umgebrochen.


Foto: NABU/B. Lezius

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Beweidung mit Koniks.  - Ninett Hirsch

Beweidung mit Koniks. - Ninett Hirsch

Förderpolitik auf Beweidung anpassen

Insbesondere auf entwässerten Moorstandorten in Niedersachsen können angepasste Weideformen wie die extensive Wasserbüffelhaltung klimafreundliche Alternativen zur bisherigen Nutzung bieten. Zudem gibt es alte Rassen, die hervorragend zur Pflege von wertvollen Flächen herangezogen werden können. Der NABU fordert, diese Optionen systematisch in der Förderpolitik zu verankern – zum Beispiel durch die
Umstellung von Flächenprämien auf eine einkommenswirksame Honorierung ökologischer Leistungen, wobei die Umsetzung bürokratiearm erfolgen muss.

Ein weiteres zentrales Anliegen: die Stärkung der Beweidung durch Ausweitung der Beweidungsprämie, die auch Weidetierhaltende mit Mischbeweidung aus Rindern und Pferden robuster Rassen bekommen können. Außerdem muss sich dringend die Prüfpraxis der landwirtschaftlichen Prüfdienste dahingehend ändern, dass die tatsächlich beweidete Fläche auch honoriert wird. Zurzeit werden Gebüschanteile, Bodenoffenstellen und Schilfbereiche nicht als prämienberechtigt anerkannt, obwohl diese Bereiche in der Regel besonders wichtig für den Naturschutz sind.

Ein kritischer Punkt ist auch der Herdenschutz: Noch immer ist die Finanzierung mit großem Aufwand verbunden. Der NABU fordert deshalb eine bürokratiearme und solide finanzierte Unterstützung von Herdenschutzmaßnahmen, die den erhöhten Aufwand im Wolfsgebiet abdeckt.


Extensive Beweidung mit Schafen. - Foto: Helge May

Extensive Beweidung mit Schafen. - Foto: Helge May

Wissen über die extensive Grünlandnutzung verbessern

Schließlich braucht es eine neue Generation von Grünlandnutzenden: Der NABU spricht sich für die Entwicklung und Etablierung eines zeitgemäßen „Grünlandlehrplans“ in landwirtschaftlichen Bildungsstätten aus – inklusive Beratung zu Weidemanagement, naturschutzgerechter Pflege und Tiergesundheit, da gerade die Kenntnisse zur teilweise verheerenden Wirkung von prophylaktisch gegebenen Arzneien auf die Umwelt bei Tierhaltenden kaum bekannt sind. Die extensive Beweidung leistet viel für Natur, Klima und Kulturlandschaft. Damit sie in der Fläche wirkt, braucht es eine entschlossene politische Wende: weg von der Förderung der Intensivierung – hin zur gezielten Unterstützung ökologisch tragfähiger Grünlandbewirtschaftung bei gleichzeitiger Verringerung des bürokratischen Aufwandes.


Kiebitzküken - Foto: Frank Derer

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Ob Kiebitz, Hochmoor-Bläuling oder Kuckuckslichtnelke – artenreiches Grünland bietet Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft geht ihre Heimat jedoch verloren. Viele Arten unserer Agrarlandschaften sind daher massiv bedroht. Zu den wichtigsten Artenschutz-Maßnahmen des NABU-Niedersachsen gehören die Sicherung und Pflege von Flächen. Deshalb: Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende – für den Schutz und Erhalt von artenreichem Grünland.

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