So war die Batnight beim NABU Niedersachsen
Exkursionen, Märchen und Detektoren machten die geheimnisvollen Jäger der Nacht erlebbar
Wasserfledermaus auf Beutefang. - Foto: Dietmar Nill
5. September 2025 - Die wenigsten der in Niedersachsen lebenden Fledermäuse hängen kopfüber unter dem Gebälk alter Kirchentürme. Die meisten Arten bevorzugen enge Spalten, beispielsweise an Fassaden. Sie sind die einzigen Säugetiere, die nicht nur durch die Lüfte gleiten, sondern ebenso aktiv wie Vögel fliegen können. Ihre Echorufe im Ultraschallbereich können um die 120 Dezibel erreichen, was der Lautstärke eines Presslufthammers gleichkäme. Da die Ultraschallaute für uns Menschen nicht hörbar sind, bleibt uns dieser Lärm erspart.
Fledermäuse können über 20 Jahre alt werden und der Große Abendsegler erreicht sogar eine Fluggeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern – damit ist er die schnellste Fledermaus Niedersachsens. Dies ist nur ein kleiner Einblick in spannende Fakten, die die NABU-Gruppen auf ihren Veranstaltungen rund um die alljährlich stattfindende Internationale Batnight vom 30. und 31. August den Teilnehmenden vermittelten.
Internationale Batnight soll zum Schutz der Fledermäuse beitragen
Initiiert vom Europäischen Büro für Fledermausschutz (Eurobats) findet die Batnight in 30 Ländern statt. In Deutschland organisiert der NABU die Aktion. „Es geht nicht nur darum, Verständnis und Faszination für die Nachtschwärmer zu entfachen, sondern darauf aufbauend das Bewusstsein für die Dringlichkeit zu schärfen, die Fledermäuse zu schützen. Zudem soll aufgezeigt werden, wie jede und jeder Einzelne das Leben der wendigen Flugsäuger vereinfachen kann“, erklärt Kristin Schaper, Teamleiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des NABU Niedersachsen.
Gerade vor dem Hintergrund, dass in der aktullen Rote Liste mehrere Fledermausarten als vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet eingeordnet werden, gewinnt die Batnight weiter an Bedeutung. Ralf Berkhan, Biologe und Fledermausexperte beim NABU Niedersachsen, kennt die Ursachen für den Rückgang der Fledermausbestände: „Fledermausquartiere an Fassaden werden wegsaniert und Dachböden ausgebaut. Wegen des Einsatzes von Pestiziden und dem Insektensterben finden Fledermäuse immer weniger Nahrung.“
So kann Fledermäusen geholfen werden
Über diese Bedrohungen informierten die NABU-Aktiven auch während der Batnight. So auch auf einer Veranstaltung für Kinder im Rahmen der NAJU-Ostfriesland-Tour. „Guckt mal auf eure Windschutzscheibe. Guckt mal in euren Garten. Seht ihr dort Insekten – auch abends? Was habt ihr für Pflanzen in euren Gärten und auf euren Balkonen?“, regt Elke Dirks, 1. Vorsitzende des NABU Regionalverband Ostfriesland, die Teilnehmenden auf der Veranstaltung zum Nachdenken an. Sie weiß, dass der alarmierende Rückgang von vielen Insektengruppen, wie etwa Nachtfalter, auch für Fledermäuse gravierende Folgen hat.
Bei der Fledermausführung gibt sie Tipps, wie den Insekten und damit auch den Fledermäusen zu helfen ist und empfiehlt nektarreiche, nachtblühende Pflanzen wie etwa die Nachtkerze zu pflanzen. „Wenn sich ihre Blüten kurz nach Sonnenuntergang öffnen, verströmen sie einen intensiven süßlichen Duft, mit dem sie nachtaktive Insekten und im Umkehrschluss auch Fledermäuse anlocken“, beschreibt Dirks. Um die Nachtschwärmer in den Garten zu locken, sollten dort zudem heimische Kräuter, Stauden und Gehölze wachsen: „Je naturnaher der Garten, desto größer ist auch die Vielfalt an Insekten.“
Wochenstuben zu erhalten, zu schützen oder neu zu schaffen ist für den Arterhalt überlebenswichtig. Dies können schmale, aber großräumige Spalten im Mauerwerk, hinter der Fassade, Lücken unter Dachziegeln oder auch Fledermausgroßraumkästen sein. Auch die bekannten Flachkästen werden angenommen – diese dienen aber hauptsächlich Männchen als Rückzugs- und Schlafort.
Eine Wanderung zu den Fledermäusen
Die Gruppe um Dirks begibt sich, ausgerüstet mit Fledermausdetektoren und Taschenlampen, auf eine spätabendliche Wanderung zu einem Schauplatz, wo die Tiere nach Insekten jagen. Währenddessen erzählt Dirks ein lehrreiches Märchen, das die Echorufe der Fledermäuse auf berührende Art erklärt: Es handelt von einer Fledermaus, die sich in einem Wettbewerb mit Vögeln misst, aber von ihnen ausgelacht wird: „Die Fledermaus sang, so schön sie nur konnte, und bemühte sich nach besten Kräften. Doch die Vögel hörten gar nichts, denn sie konnten mit ihren Ohren den „Gesang“ der Fledermaus nicht wahrnehmen“, rezitiert Dirks.
Dies ist tatsächlich kein Märchen: Die Rufe der Fledermäuse liegen im Ultraschallbereich, so dass weder Vögel noch Mensche in der Lage sind, sie wahrzunehmen. Dafür hat der Mensch den "Batdetektor" erfunden. Und da plötzlich – ein Knattern aus dem Detektor – eine Wasserfledermaus zischt knapp über ein Gewässer hinweg und schnappt sich im Bruchteil einer Sekunde ein Insekt. Der Detektor wandelt die Ultraschalllaute der Fledermaus in für uns hörbare Töne um und bildet die Frequenz des Rufs ab.
Fledermäuse unterscheiden sich anhand ihrer Echorufe
„Beim Fliegen geben Fledermäuse ständig Ultraschallaute ab. Diese prallen an Hindernissen sowie Insekten ab und werden wie ein Echo in die Fledermausohren zurückgeworfen. So wissen sie genau, wie weit ein Objekt entfernt ist. Sie sehen also mit ihren Ohren. Die Augen nehmen dabei eine geringere Rolle ein“, erklärt Ralf Berkhan vom NABU Niedersachsen. „Tatsächlich kann man die meisten Fledermausarten anhand ihres Rufes voneinander unterscheiden: Durch den unterschiedlichen Klang bzw. Rhythmus in Kombination mit der Frequenz, die am Detektor angezeigt wird, lässt sich auf die Art schließen“, so Berkhan weiter. Während zum Beispiel die Rufe der Wasserfledermaus bei einer Frequenz von etwa 40 Kilohertz liegen, befinden sich die der Breiflügelfledermaus bei 25 bis 28 Kilohertz.
Damit auch wirklich jede und jeder die besonderen Rufe der Fledermäuse wahrnehmen kann, hat die NABU Gruppe Diepholz anlässlich der Batnight mit Interessierten barrierefreie Fledermausdetektoren gelötet. Diese machten die Ultraschallrufe der Fledermäuse nicht nur hörbar, sondern durch Vibrationen und Lichtsignale zusätzlich spür- sowie sichtbar.
Die Fledermausnächte gehen weiter
Elke Dirks blickt zufrieden auf die Batnight zurück: „Es ergreift mich jedes Mal, wenn ich nach den Veranstaltungen zur Batnight spüre, dass wir damit wirklich ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen und sich die Teilnehmenden im Anschluss aktiv für den Schutz dieser Tiere einsetzen, indem sie zum Beispiel verletzte Tiere melden und von Fledermausbeauftragten aufpäppeln lassen.“
Zur Batnight gab es in ganz Niedersachsen zahlreiche ähnlich tolle Veranstaltungen und Exkursionen, die mit durchschnittlich etwa 40 Teilnehmenden gut angenommen wurden. Gesichtet wurden hauptsächlich Zwergfledermäuse, Wasserfledermäuse, Breitflügelfledermäuse und auch das Große Mausohr.
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