Verleihung Dr. Fedor Strahl Jugendnaturschutzpreis 2025
Vor knapp 300 stimmberechtigten Mitgliedern wurden am 20. September in Hitzacker engagierte Kinder und Jugendliche für ihre beeindruckenden Beiträge zum Naturschutz ausgezeichnet. Mehr →
Rund 300 Delegierte nahmen an der LVV 2025 in Hitzacker teil. - Foto: Mareike Sonnenschein
20. September 2025 - Diskutiert wurden zentrale Fragen des Natur- und Umweltschutzes, politische Weichenstellungen und die künftige Ausrichtung des Landesverbandes. Zu Gast war in diesem Jahr Miriam Staudte, Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die über die Ziele ihres Hauses hinsichtlich der Steigerung der Artenvielfalt in Land- und Forstwirtschaft, dem Ausbau des Ökolandbaus und der Stärkung klimaresilienter Wälder sprach.
Politik in der Pflicht: NABU Niedersachsen fordert klare Kante für Natur- und Artenschutz
In seinem politischen Bericht nahm der Landesvorsitzende des NABU Niedersachsen, Prof. Dr. Holger Buschmann, zu aktuellen politischen Entwicklungen Stellung. Besonders deutlich wurde er beim Thema Landesraumordnungsprogramm (LROP): „Bei Beschluss wäre der aktuelle Entwurf des LROP ein Rückschritt, denn er ignoriert zentrale Umweltbelange. Vorranggebiete für Windenergie in ökologisch hochsensiblen Arealen wie Moore oder historische Waldstandorte gefährden die Biodiversität und untergraben den natürlichen Klimaschutz. Allerdings hat die Landesregierung kundgetan, dass sie elementare Änderungen im Entwurf zugunsten von Natur und Umwelt umsetzen wird.“
Mit Blick auf die EU-Wiederherstellungsverordnung betonte Buschmann: „Diese Verordnung ist ein Meilenstein – aber wir müssen sie auch umsetzen. Unsere Natur braucht keine Lippenbekenntnisse, sondern konkrete Maßnahmen. Die Wiederherstellung degradierter Lebensräume ist unsere Versicherung gegen zukünftige Krisen. Niedersachsen darf hier nicht auf der Bremse stehen, sondern muss in besonderem Maße vorangehen und deutschlandweit zum Vorbild werden. Im Übrigen will die Bevölkerung in Deutschland, dass wir Natur wiederherstellen.“
Auch zum Agrarstrukturgesetz, das aktuell in der politischen Debatte ist, fand Buschmann klare Worte: „Wir begrüßen das Gesetz ausdrücklich. Es ist überfällig, dass Spekulation mit landwirtschaftlichen Flächen unterbunden wird. Das Gesetz kann ein echter Hebel sein, um Familienbetriebe zu schützen und gleichzeitig mehr Raum für Artenvielfalt zu schaffen. Allerdings nur dann, wenn die Entwurfsfassung umgesetzt und nicht weiter verwässert wird.“
Positiv äußerte sich der NABU Niedersachsen auch zum Niedersächsischen Weg, der 2020 als bundesweit einmalige Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Umweltverbänden und Politik geschlossen wurde: „Der Niedersächsische Weg zeigt, dass Naturschutz und Landwirtschaft keine Gegensätze sein müssen. Aber wir dürfen nicht stehenbleiben. Die nächsten Jahre müssen zeigen, dass wir nicht nur gut reden, sondern auch konsequent handeln und vor allem stärker in die Fläche kommen.“
Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte dazu: „Die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Naturschutz und Politik im Niedersächsischen Weg ist nicht nur für den Naturschutz wichtig , sondern auch für unsere Demokratie, denn Menschen, die nicht ohnehin einer Meinung sind, sitzen an einem Tisch und finden Lösungen. Ich danke für das ehrenamtliche Engagement der vielen Orts- und Kreisgruppen. Das Mitgliederwachstum ist ein Zeichen dafür, dass Artenschutz wichtiger denn je ist. Mit der preisdämpfenden Wirkung des Agrarstrukturgesetzes wird extensiveres Wirtschaften gefördert.“
Stark im Ehrenamt – stark für die Natur
Der NABU Niedersachsen hat inzwischen über 133.000 Mitglieder. Diese starke Basis bildet das Rückgrat für die zahlreichen Projekte, die landesweit umgesetzt werden. „Unsere Mitglieder ermöglichen es uns, täglich für den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen einzutreten – ob durch ihre Stimme, ihre Beiträge oder ihre Tatkraft vor Ort“, so Buschmann. „Ehrenamtliches Engagement ist das Fundament des Naturschutzes.“
NABU-Projekte: Konkrete Lösungen für den Naturschutz in der Fläche
Auf der Landesvertreterversammlung wurde in diesem Jahr das Herdenschutzprojekt des NABU Niedersachsen vorgestellt. Es zeigt exemplarisch, wie der Naturschutz auch in konfliktbelasteten Bereichen tragfähige und praxisnahe Lösungen entwickeln kann. Ziel des Projekts ist es, Weidetierhaltende durch Beratung, technische Unterstützung und konkrete Maßnahmen beim Schutz vor Wolfsrissen zu unterstützen und so Akzeptanz für den Artenschutz zu stärken.
„Das Herdenschutzprojekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir als Verband in der Fläche wirken und gleichzeitig den Dialog mit der Praxis suchen“, so der NABU-Landesvorsitzende. „Solche Projekte schaffen Vertrauen, zeigen Lösungen auf und helfen, den Natur- und Artenschutz langfristig zu verankern.“
Neben dem Herdenschutz hob Buschmann auch die große Bedeutung anderer laufender Projekte hervor – etwa das EU-Projekt LIFE BOVAR zum Schutz gefährdeter Amphibienarten oder das landesweite Biberschutzprojekt, das sich für ein konfliktarmes Miteinander von Mensch und Biber einsetzt.
„Wir sehen: Langfristige und gut koordinierte Projekte sind der Schlüssel für wirksamen Artenschutz. Sie verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Umsetzung und genau das brauchen wir, um den Herausforderungen der Biodiversitäts- und Klimakrise zu begegnen“, betonte Buschmann. „Deshalb ist es so wichtig, alle unsere Projekte weiterzuentwickeln, zu verstetigen und politisch wie finanziell zu sichern.“
NABU ehrt herausragendes Engagement
Wie in jedem Jahr wurden auch diesmal Gruppen und Einzelpersonen für ihr besonderes Engagement im Natur- und Umweltschutz geehrt. Der Dr. Fedor Strahl NABU-Jugendnaturschutzpreis ging an drei Jugendgruppen, die mit innovativen Projekten punkten konnten. Im Rahmen der Aktion „Ich flieg auf Natur“ wurden zudem die NABU-Gruppen aus Nenndorf, Emsland Süd, Rotenburg/Wümme und Hannover für die Gewinnung der meisten neuen Mitglieder ausgezeichnet. Eine silberne Ehrennadel für langjähriges ehrenamtliches Engagement erhielten Klaus Müller, Hans-Jürgen Kelm und Antje Fäseke vom NABU Lüchow-Dannenberg. Eine goldene Ehrennadel erhielt Prof. Dr. Horst Wilkens vom NABU Lüchow-Dannenberg.
Vor knapp 300 stimmberechtigten Mitgliedern wurden am 20. September in Hitzacker engagierte Kinder und Jugendliche für ihre beeindruckenden Beiträge zum Naturschutz ausgezeichnet. Mehr →