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Die Situation der Moore in Niedersachsen

Niedersachsen muss seiner Vorbildfunktion Rechnung tragen

Moore und der Moorschutz haben in Niedersachsen ein großes Potential, nicht nur für den Schutz gegen Hochwasser und für das Grundwasser. Sie halten das Wasser in der Landschaft und wirken so den Folgen des Klimawandels entgegen.

Moorfroschpaar - Foto: Tom Kirschey

Moorfroschpaar - Foto: Tom Kirschey

1. Februar 2023- Mit einem Anteil von etwa 38 Prozent der bundesweiten Moorflächen ist Niedersachsen das moorreichste Bundesland. „Moore sind bedeutende Lebensräume und beherbergen eine einzigartige Artenvielfalt", sagt Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen.

Moore filtern das Grundwasser und dienen mit ihrer enormen Wasserspeicherkapazität dem natürlichen Hochwasserschutz. Naturnahe Moorlandschaften wirken im Wasserhaushalt einer Landschaft nämlich wie ein Schwamm. Sie können innerhalb kurzer Zeit viel Wasser aufnehmen. Bei starkem Regen oder Überflutungen saugen sie durch ihre enorme Speicherfähigkeit das Wasser auf und geben es erst langsam wieder an die Umgebung ab. In natürlichem Zustand sind Moore CO2-Senken und tragen damit aktiv zum Klimaschutz bei.

Doch der größte Teil der niedersächsischen Hochmoore wurde für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert und damit zerstört, der über Jahrtausende festgelegte Kohlenstoff als klimaschädliches CO2 freigesetzt. Auch als Lebensraum für eine Vielzahl spezialisierter Arten wie Waldwasserläufer, Moorfrosch und Sonnentau geht das Moor damit verloren.

Wiedervernässung von Mooren in Niedersachsen

Bis heute wurde in Niedersachsen mit etwa 38.000 Hektar im Vergleich zu den anderen Bundesländern zwar die größte Gesamtfläche an Mooren wiedervernässt. Dennoch: Um die Klimaziele noch zu erreichen, müsste Niedersachsen jährlich mindestens 20.000 Hektar Moorboden wiedervernässen, da die Gesamtfläche an Moorböden in Niedersachsen fast 400.000 Hektar beträgt. In den letzten 20 Jahren sind jedoch zu wenige Moorflächen wiedervernässt worden, sodass es zukünftig deutlich größere Anstrengungen der Politik braucht.

„Die Landesregierung hat mit dem am 28. Juni 2022 beschlossenen aktualisierten Klimaschutzgesetz eine wichtige Chance verpasst, einen verbindlicheren Rechtsrahmen für den Moorklimaschutz zu setzen. Es enthält keine Emissionsminderungsziele in Anlehnung an die Bund-Länder-Zielvereinbarung. Der Moorklimaschutz findet kaum Beachtung. Entgegen der Bund-Länder-Vereinbarung zum Moorschutz wurden darüber hinaus sogar noch neue Torfabbaugebiete ohne Klimaausgleich genehmigt“, bedauert Buschmann.

Forderungen des NABU Niedersachsen

Niedersachsen hat hinsichtlich des natürlichen Klimaschutzes durch Moorerhalt eine besondere Verantwortung und muss seiner Vorbildfunktion Rechnung tragen. Der NABU fordert deshalb, bestehende Moore zu erhalten und ehemalige Moorflächen zu renaturieren und damit ihre Funktion als Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten wiederherzustellen. Außerdem muss die Emittierung enormer Mengen klimaschädlicher Treibhausgase reduziert werden. Im Hobbygartenbereich muss auf ein schnelles Verbot auf Bundes- bzw. EU-Ebene zur Verwendung von Torf hingewirkt werden. Für den finanziellen Ausgleich von landwirtschaftlichen Betrieben müssen angemessene Mittel bereitgestellt werden.


Potential intakter Moore: Das Naturschutzgebiet Theikenmeer

Im niedersächsischen Naturschutzgebiet Theikenmeer setzt sich der NABU bereits seit vielen Jahren für die Wiedervernässung dieses ehemaligen Hochmoores ein. Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe bewahrt hier knapp 62 Hektar dauerhaft für die Natur. Verschiedene Moorstadien, Waldstandorte und Grünland prägen das Landschaftsbild im Theikenmeer. Besonders das Hochmoor, die artenreichen Feuchtwiesen sowie die offenen Wasserflächen machen das Theikenmeer zu einem einzigartigen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Mit seinen ausgeprägten Flachwasserbereichen ist das Theikenmeer außerdem ein wichtiger Rastplatz für viele ziehende Vogelarten.

Ausgewiesen wurde das Naturschutzgebiet bereits 1936, doch Entwässerung, Einschwemmen von Gülle aus benachbarten Ackerflächen und Torfabbau zerstörten das Gebiet so stark, dass die Wasserfläche im Jahr 1977 sogar ganz verschwand und weite Moorflächen mit Birken zuwuchsen. Zur Rettung des Moores begann der NABU Werlte/Sögel Anfang der 80er-Jahre mit Renaturierungsarbeiten und dem Ankauf von Flächen. Bereits 2010 ließ der NABU am Theikenmeer eine Fläche von 20 Hektar Moor wiedervernässen. Dass diese Maßnahmen erfolgreich sind, zeigt die Rückkehr von moortypischen Arten: Erfreuliche Beispiele sind das verstärkte Auftreten der Kleinen und der Nordischen Moosjungfer sowie der Frühen Heidelibelle, die auf der Roten Liste gefährdeter Libellenarten stehen. Pflanzenarten wie Wollgras, Sonnentau und Knabenkraut gedeihen gut im Theikenmeer. Auch die mehrzähligen Bruten von Bekassine, Blaukehlchen, Kiebitz, Krick- und Löffelente sowie Waldwasserläufer weisen darauf hin, dass die Maßnahmen die Lebensräume deutlich verbessert haben.

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