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NABU plant großräumige Moor-Wiederherstellung

200 Hektar sollen als „Klimamoor“ gesichert werden

Der NABU plant eine europaweit einzigartige, großräumige Moor-Restaurierung im Landkreis Cuxhaven. Rund 200 Hektar landwirtschaftlich nur noch eingeschränkt nutzbarer Moorböden sollen wieder zu einem wachsenden Hochmoor werden.

Sonnentau - Foto: Christoph Moning

Sonnentau - Foto: Christoph Moning

9. Juni 2022 - Einst war die Gegend rund um Ahlen-Falkenberg eine wilde, unwegsame Moorlandschaft. Vor Jahrzehnten wurde sie für die Landwirtschaft und Torfabbau nutzbar gemacht. Jetzt plant der NABU eine europaweit einzigartige, großräumige Restaurierung. Rund 200 Hektar inzwischen landwirtschaftlich nur noch eingeschränkt nutzbarer und bis vor Kurzem für den Torfabbau vorgesehene Moorböden sollen, so der Plan, wieder zu einem wachsenden Hochmoor und damit als „Klimamoor“ gesichert werden. Der NABU arbeitet dabei eng mit Akteuren vor Ort zusammen, um mit diesem beispielhaften Flächenprojekt einen Weg für mehr Klima- und Naturschutz aufzuzeigen.

Lebendige Moore sind wahre Klimaschützer

Diese Erkenntnis ist in den letzten Jahren in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Denn diese einzigartigen Ökosysteme haben sich weltweit in Jahrtausenden zu den größten Kohlenstoffspeichern an Land entwickelt. Das gilt gerade auch für die Landschaften im Elbe-Weser-Dreieck – aber nur, solange die Moore ihren natürlichen Wasserhaushalt behalten. Tausende Quadratkilometer sind in den letzten Jahrhunderten entwässert worden, weil eine wachsende Bevölkerung Flächen für die Ernährung brauchte. Nasse Moore waren dafür nutzlos. Aber wie die Forschung der letzten Jahre deutlich zeigt, sind trockengelegte Moore wahre CO2-Schleudern. Sie emittieren bis zu 45 Tonnen CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr. In Niedersachsen sind drainierte Moorböden der größte Einzelfaktor der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen. Damit steht die Wiedervernässung ehemaliger Moore weit oben auf der klimapolitischen Agenda.

Die in Ahlenmoor jetzt gefundene Lösung ist einer glücklichen Kooperation vieler Beteiligter in der Region zu verdanken. Die Gramoflor GmbH, ein Unternehmen der Erden- und Substratindustrie, beabsichtigte ursprünglich die für Landwirtschaft immer weniger nutzbaren Flächen zu erwerben. Auf Initiative des NABU und anderer Beteiligter setzte sich das Unternehmen mit seiner technischen Kompetenz und langjährigen Erfahrung in der Vermehrung von Torfmoosen und Entwicklung von Hochmooren aber jetzt für eine wegweisende innovative Lösung ein.

Das Vorhaben

Der landwirtschaftlich mit Nährstoffen und moorfremden Pflanzen belastete Oberboden soll nach engmaschigen Messungen schonend abgetragen und der dann zu Tage tretende Moorkörper mit heute seltenen, eigens herangezüchteten heimischen Torfmoosen und hochmoortypischen Begleitpflanzen wie Rosmarinheide, Moosbeere und Sonnentau „beimpft“ werden. Hierbei kommt dem Projekt das Wissen zugute, das Gramoflor gemeinsam mit der Stiftung Lebensraum Moor und dem Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in von der DBU über sieben Jahre hinweg geförderten Forschungen zur Vermehrung und Wiederansiedlung von Bulttorfmoosen gewinnen konnte.

Die gezielte Einbringung der moortypischen Vegetation aktiviert die Regeneration der ehemaligen Nutzflächen und beschleunigt so die Wiederherstellung eines zusammenhängenden lebenden Hochmoores. Gleich zu Beginn der Maßnahme werden die tiefen Entwässerungsgräben geschlossen, damit der Torfkörper wieder Nässe aufnehmen kann und so der riesige Kohlenstoffspeicher im Ahlenmoor langfristig gesichert ist.

Der Beginn der Restaurierung wird, nach Vorliegen der entsprechenden behördlichen Genehmigungen, für 2023 angestrebt. „Sollte alles wie von uns erhofft laufen, wäre die Wiederherstellung eines lebenden Hochmoors auf einer so riesigen Nutzfläche die erste Maßnahme dieser Art überhaupt in diesem Maßstab“, sagt Felix Grützmacher, Moorschutzexperte des NABU. Finanziert wird das ambitionierte Projekt aus dem im April 2022 gegründeten NABU Klimaschutzfonds.


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