Ökologische NABU-Station Aller/Oker
Die Ökologische NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) unterstützt im Rahmen einer Vor-Ort-Betreuung die Gebietsbetreuung im östlichen Niedersachsen. Mehr →
Die Wechselkröte (Bufotes viridis) ist die am stärksten bedrohte Amphibienart Niedersachsens und akut vom Aussterben bedroht. Sie kommt in Niedersachsen nur noch in den Landkreisen Helmstedt und Wolfenbüttel vor. Einzelfunde gab es in jüngster Zeit allerdings auch im Landkreis Goslar. Der NABU Niedersachsen hat deshalb im Februar 2023 unter der fachlichen Leitung der Ökologischen NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) zum Erhalt der Art das Projekt „Schaffung von Lebensräumen für die gefährdete Wechselkröte in Niedersachsen“ ins Leben gerufen.
Mittlerweile ist das Projekt erfolgreich abgeschlossen; doch nicht die Umsetzungen von Maßnahmen für die Wechselkröte – sie laufen weiter: Die ÖNSA betreut auch über den Projektzeitraum hinaus die Lebensräume in der Region und nimmt Meldungen über Sichtungen der Wechselkröte entgegen.
Die Wechselkröte ist eine typische Pionierart, die auf die dynamische Veränderung ihres Lebensraumes angewiesen ist. Ihre ursprünglichen Habitate, wie Steppen und Auenbereiche, sind in unserer heutigen Kulturlandschaft kaum noch zu finden. Heutzutage lebt die seltene Kröte hauptsächlich in anthropogen geprägten Sekundärlebensräumen wie beispielsweise Abbaugruben. Durch eine aktive Nutzung wird die aufwachsende Vegetation niedrig gehalten und es entstehen immer wieder neue Kleingewässer – gute Voraussetzungen für die Wechselkröte.
Doch auch hier werden geeignete Habitate immer seltener, da bestehende Gewässer vor allem durch das Aufwachsen von Gehölzen verschwinden. Die durch den Klimawandel bedingte zunehmende Sommertrockenheit verschlimmert die Situation zusätzlich, da eigentlich gut geeignete Gewässer trockenfallen, bevor die Metamorphose der Kaulquappen abgeschlossen ist. Die Situation der Wechselkröte in Niedersachsen ist daher äußerst kritisch, ihre Bestände sind im letzten Jahrhundert um mehr als 80 Prozent zurückgegangen.
Im Rahmen des Projektes konnten maßgebliche Fortschritte in Hinsicht auf den Schutz der Wechselkröte in Niedersachsen erzielt werden. Über einen Zeitraum von drei Jahren konnte ein solides Fundament gelegt werden, um die Art in der Region zu erhalten und dem negativen Bestandstrend der letzten Jahrzehnte entgegenzuwirken: So wurden unter anderem zwei neue Wechselkrötenvorkommen entdeckt, 2024 mehr als 340 adulte Wechselkröten gezählt – so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr –, über 2.000 junge Wechselkröten im Landkreis Helmstedt in die Freiheit entlassen sowie zahlreiche potentielle Laichgewässer für die Wechselkröte angelegt und saniert. Trotzdem müssen zum Schutz der Art weitere Anstrengungen unternommen werden, um sie vor dem Aussterben zu bewahren.
Wer unterstützen will, kann das beispielsweise durch das Melden von Sichtungen der Wechselkröte tun: Die ÖNSA ruft auch noch nach Abschluss des Projektes Bürgerinnen und Bürger dazu auf, Beobachtungen von Wechselkröten in Niedersachsen zu melden. Es sollten möglichst genaue Angaben zum Fundort gemacht werden, beispielsweise in Form von Koordinaten oder der Markierung auf einer Karte. Um die Meldungen zweifelsfrei bestätigen zu können, ist auch ein Foto des Tieres nötig. Dabei dürfen die Kröten als streng geschützte Art aber in keinem Fall gestört werden.
Haben Sie in Niedersachsen eine Wechselkröte gesichtet? Dann melden Sie den Fund mit genauem Standort unserer Ökologischen NABU-Station Aller/Oker: kontakt@oensa.de, Telefon: +49 159 04537723
Für den Erhalt und Schutz der Wechselkröte sind genaue Informationen zu ihrer Verbreitung sehr nützlich. Bürgerinnen und Bürger können hierzu durch ihre Mithilfe einen entscheidenden Beitrag leisten: So konnten in den vergangenen Jahren aufgrund solcher Meldungen aus der Bevölkerung unentdeckte Vorkommen der Wechselkröte nachgewiesen werden.
Wechselkröte erkennen
Die Wechselkröte (Bufotes viridis) ist mit ihrer kontrastreichen, grünlichen Fleckenmusterung und ihren gelb-grünen Augen eine sehr charakteristische Amphibienart. Die ersten Wechselkröten wagen sich Ende März aufgrund der steigenden Temperaturen aus ihren Winterquartieren, um an nahegelegenen Gewässern auf Partnersuche zu gehen. Bis etwa Mitte Mai zieht sich die Fortpflanzungsperiode, wobei die Kröten vor allem in warm-feuchten Nächten aktiv sind und ihren charakteristischen, trillernden Ruf erklingen lassen.
Mit der Etablierung des neuen Projektes steuerten der NABU Niedersachsen gemeinsam mit der ÖNSA nun dieser dramatischen Entwicklung entgegen. Ziel des Projektes war die Sicherung der letzten verbliebenen Populationen der Wechselkröte in Niedersachsen. Neben „klassischen“ Artenhilfsmaßnahmen, wie der Anlage von Gewässern und einer Bestandsstützung durch aufgezogene Jungtiere, wurde an einem Management-Konzept gearbeitet. Es eruiert, wie die Wechselkröte in von Menschen genutzten Räumen integriert werden kann. Ein besonderer Fokus wird dabei auf Flächen gelegt, die für den Artenschutz untypisch sind, etwa Gewerbeflächen oder Kleingartenkolonien. Eine umfassende Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit sollte die vor Ort involvierten Akteure, wie Unternehmen, Abbaubetriebe, Anwohnerinnen und Anwohner, für die Ansprüche der Art sensibilisieren.
Das Projekt „Schaffung von Lebensräumen für die gefährdete Wechselkröte in Niedersachsen“ war ein Förderprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Deutschen Postcode Lotterie (DPL), die das Projekt mit 125.000 beziehungsweise 100.000 Euro förderten. Weitere finanzielle Unterstützung erhielt der NABU Niedersachsen durch die Curt Mast Jägermeister Stiftung und die Loki Schmidt Stiftung, sowie durch die Landkreise Helmstedt, Wolfenbüttel und die Stadt Salzgitter. Die Projektlaufzeit betrug drei Jahre.
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