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NABU Niedersachsen fordert Kurswechsel

Gasförderung vor Borkum gefährdet wertvolles Naturerbe

Die Entscheidung der Bundesregierung, gemeinsam mit den Niederlanden vor der Insel Borkum Gasvorkommen zu erschließen, setzt Meeresarten und Klimaschutzziele unter massiven Druck.

Wattenmeer - Foto: Frank Derer

Wattenmeer - Foto: Frank Derer

2. Juli 2025- Der NABU Niedersachsen zeigt sich tief besorgt über den Beschluss der Bundesregierung, gemeinsam mit den Niederlanden vor der Insel Borkum Gasvorkommen zu erschließen. Das Vorhaben betrifft ein Gebiet, das nicht nur zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer gehört, sondern auch Lebensraum zahlreicher geschützter Arten ist.

„Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der der Schutz der Nordsee dringender gebraucht wird als je zuvor“, erklärt Prof. Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen. „Es ist unverständlich, dass ausgerechnet in einem der artenreichsten und empfindlichsten Meeresgebiete neue fossile Förderprojekte begonnen werden sollen.“

Nach Ansicht des NABU Niedersachsen gibt es keinen sachlichen Grund, die Risiken dieses Projekts in Kauf zu nehmen. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet, während der Beitrag der geplanten Gasförderung zum deutschen Energiebedarf verschwindend gering ausfallen würde. Gleichzeitig drohen erhebliche Belastungen für Meeressäuger, Wattflächen, Vogelbestände und natürliche Riffe, die bereits unter dem Klimawandel und dem zunehmenden Nutzungsdruck leiden.

Bundesregierung schafft Präzedenzfall

„Darüber hinaus schafft dieser Beschluss einen gefährlichen Präzedenzfall“, warnt Prof. Dr. Buschmann. „Wenn in einem UNESCO-Weltnaturerbe ein solches Vorhaben genehmigt wird, besteht die reale Gefahr, dass weitere Projekte in Schutzgebieten nachgezogen werden. Damit geraten zentrale Grundsätze des Naturschutzrechts ins Wanken.“

Der NABU Niedersachsen appelliert an die politischen Verantwortlichen, die geplanten Maßnahmen zu überdenken und auf eine konsequente Ausrichtung am Klimaschutz und dem Erhalt der biologischen Vielfalt zu setzen. Insbesondere fordert der Verband, vor dem Abschluss weiterer Schritte unabhängige Gutachten einzuholen, die die ökologischen Folgen umfassend bewerten.

„Das Wattenmeer ist kein Ort für Experimente mit fossilen Rohstoffen. Es verdient eine verlässliche Perspektive als Schutzgebiet – im Interesse kommender Generationen“, betont Prof. Dr. Buschmann.


Wattenmeer Luftbild - Foto: imageBROKER.com/Holger Weitzel
UNESCO rügt Deutschland

Dass das UNESCO-Welterbekomitee einer Beschwerde des NABU und anderer Umweltverbände folgen und Deutschland eine Rüge erteilen wird, ist kein Grund zur Freude: Auf dem Spiel steht nicht nur ein einzigartiger Lebensraum, sondern auch der UNESCO-Welterbetitel. Mehr →

Keine Erdgasförderung in der Nordsee erlauben!

Deutsche und niederländische Umweltverbände fordern konsequenten Schutz des Weltnaturerbes Wattenmeer

Auch der streng geschützte Schweinswal wird von den Auswirkungen betroffen sein. - Foto: Florian Graner

Auch der streng geschützte Schweinswal wird von den Auswirkungen betroffen sein. - Foto: Florian Graner

7. Juni 2021- Nahe der Insel Borkum und dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer möchte die niederländische Firma ONE-Dyas B.V demnächst Erdgas fördern. Deutsche und niederländische Umweltverbände kritisieren das Vorhaben scharf. Die niederländische Firma ONE-Dyas B.V. hat beim Niederländischen Ministerium für Wirtschaft und Klima einen Antrag auf Erdöl- und Erdgasbohrungen in der niederländischen Nordsee gestellt, um dort in den nächsten 10-25 Jahren Erdgas zu fördern. Der vorgesehene Standort der Förder- und Aufbereitungsplattform liegt im niederländischen Küstenmeer nahe der Insel Borkum und grenzt somit direkt an den Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“, der als Weltnaturerbe einen besonderen Schutz genießt. Zahlreiche Umweltverbände protestieren gegen das Vorhaben, da es in mehrfacher Hinsicht nationalen und internationalen Verpflichtungen für Klima-, Natur- und Meeresschutz widerspricht. Sie fordern die Bundesrepublik Deutschland auf, das Vorhaben strikt abzulehnen.

Weitere Planungen zur Erdöl- und Erdgasförderungen einstellen!

„Eine weitere Erdgasförderung in der Nordsee darf auf keinen Fall genehmigt werden, denn sie steht im diametralen Gegensatz zu nationalen und internationalen Klimaschutzzielen“, sagt Heiner Baumgarten, BUND-Landesvorsitzender. „Angesichts des kürzlich ergangenen Urteils des Bundesverfassungsgerichtes, in dem das deutsche Klimaschutzgesetz für teilweise verfassungswidrig erklärt wurde, und dem jüngsten Gerichtsurteil in Den Haag, das den Ölkonzern Shell zu einer deutlichen Reduktion seiner Emissionen verpflichtet, müssen weitere Planungen zur Erdöl- und Erdgasförderungen sofort eingestellt werden. Diese Vorhaben führen geradewegs in die Klima- und Naturkatastrophe. Alle Anstrengungen müssen in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen, anstatt die Gewinnung klima- und naturschädlicher fossiler Energien weiter auszubauen.“

Zigtausende rastende Zugvögel würden massiv beeinträchtigt

Die Installation der Plattform, das Abteufen von Tiefbohrungen, die Verlegung von Rohren und Kabeln und die Erdgasproduktion haben gravierende Auswirkungen auf die Meeresumwelt und das Weltnaturerbe Wattenmeer mit seinen Insel- und Küstengebieten. Zum einen sehen die Verbände Risiken durch ein mögliches Austreten von Kohlenwasserstoffen, Bohrschlämmen und Lagerstättenwasser sowie Erdbeben und erhebliche Landabsenkungen. Hinzu kommen massive Beeinträchtigungen der charakteristischen Arten des Wattenmeers.

„Ein solches Vorhaben steht im massiven Widerspruch zu den Zielen des Nationalparks ‚Niedersächsisches Wattenmeer‘ und des UNESCO-Weltnaturerbes", sagt Dr. Holger Buschmann, NABU-Landesvorsitzender. „Dies wurde bereits im Jahr 2013 bei der Evaluierung des Nationalparks festgestellt. Die betroffenen Schutzgebiete im Küstenbereich haben z. B. enorme Bedeutung als Nahrungs- und Rastgebiet für Zigtausende von Zugvögeln, die durch das Vorhaben beeinträchtigt würden.“

Vorhaben torpediert die Bemühungen des Artenschutzes

Der WWF befürchtet, dass das Vorhaben auch der Meeresnatur massiv schadet. „Durch Unterwasserlärm, Verschmutzung und Lebensraumzerstörung sind sensible und streng geschützte Arten wie der Schweinswal, aber auch Fische und Riffstrukturen betroffen“, betont Carla Langsenkamp, WWF-Meeresschutzexpertin. Auf der deutschen wie auf der niederländischen Seite des Gebietes der geplanten Bohr- und Förderplattformen wurde zudem mit Projekten begonnen, die in der südlichen Nordsee ausgestorbene Europäische Auster wieder anzusiedeln. „Die Anstrengungen, unserer Unterwassernatur eine verlorene Art zurückzugeben, dürfen nicht gefährdet werden. Dadurch, dass hier eine weitere Belastung für das bereits stark übernutzte Ökosystem Nordsee hinzukommen soll, rückt zudem das europäisch festgelegte Ziel nach einem guten Umweltzustand in der Nordsee noch weiter in die Ferne", so Langsenkamp.


Die betroffenen Schutzgebiete im Küstenbereich sind für Arten wie den Dunklen Wasserläufer sehr wichtige Nahrungs- und Rastgebiete.- Foto: Frank Derer

Die betroffenen Schutzgebiete im Küstenbereich sind für Arten wie den Dunklen Wasserläufer sehr wichtige Nahrungs- und Rastgebiete.- Foto: Frank Derer

Protest wird von einem breiten Bündnis in Deutschland und den Niederlande getragen

Die niedersächsischen Umweltverbände BUND Niedersachsen, NABU Niedersachsen, LBU Niedersachsen, Naturschutzverband Niedersachsen, Landesjägerschaft Niedersachsen, Sportfischerverband im Landesfischereiverband Weser-Ems, Anglerverband Niedersachsen und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald haben das Vorhaben in einer gemeinsamen Stellungnahme im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Umweltverträglichkeit scharf kritisiert. Der Niedersächsische Heimatbund hat diese Stellungnahme unterstützt. Auch die Umweltverbände in den Niederlanden äußern massive Kritik an dem Vorhaben: WWF Niederlande, Waddenvereniging, Greenpeace, Natuurmonumenten, Vrije Horizon Schiermonnikoog und ARK Natuurontwikkeling haben das zuständige niederländische Ministerium für Umwelt und Klima aufgefordert, den Antrag von ONE Dyas B.V. abzulehnen.

Hintergrund:
Die Amsterdamer Firma ONE-Dyas B.V. plant, im niederländischen Küstenmeer eine Erdgasförder- und Aufbereitungsplattform zu errichten. Ihr Standort befindet sich nur fünfhundert Meter von deutschen Hoheitsgewässern entfernt, rund 20 Kilometer von der Küste von Borkum. Die Erdgasfelder, in denen bis zu zwölf Explorationsbohrungen stattfinden sollen, befinden sich ebenfalls vollständig oder teilweise auf deutschem Hoheitsgebiet. Die Explorationsflächen überlappen sich mit dem Natura 2000-Gebiet Borkum Riff. Das Schutzgebiet grenzt im Osten direkt an den Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“.

Das geförderte Erdgas soll über eine auf niederländischem Hoheitsgebiet neu zu bauende Pipeline zur vorhandenen Nordgas-Transportleitung transportiert werden. Darüber hinaus soll zur Stromversorgung der Plattform ein Kabel zum Offshore-Windpark Riffgat im deutschen Sektor der Nordsee verlegt werden. Nach eigenen Angaben will ONE-Dyas etwa 10 bis 25 Jahre lang Erdgas aus den erschlossenen Erdgasfeldern fördern, abhängig von der vorhandenen Menge an Erdgas.


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